EINLEITUNG

Unterhalb des Reusswehrs in Luzern, zwischen der Spreuer- und der Geissmatbrücke, soll ein neues Flussbad entstehen. Die Idee ist nicht neu. Bis 1971 existierte dort eine öffentliche Badeanstalt. Von der Stadtbevölkerung wurde sie auf Grund ihres äusseren Erscheinungsbildes liebevoll „Mississippi-Dampfer" genannt. Im Fluss gebadet wurde dort allerdings nicht. Die Institution diente den einfachen Leuten, welche damals zu Hause oft noch nicht über fliessendes Wasser verfügten, als Möglichkeit um sich zu waschen. Der Ort erfuhr durch den Bau des Kraftwerks am Mühleplatz (1998) sowie durch die Sanierung der Wehranlage (2009 bis 2011) jüngst erhebliche Veränderungen in seinem Erscheinungsbild. Das historische Nadelwehr bildet zusammen mit der mittelalterlichen Spreuerbrücke sowie dem Kraftwerk, dem eine Geschichte der Wassernutzung durch Windmühlen vor ausgeht, insgesamt eine höchst komplexe und daher sensible Anlage.

 

FLUSS RAUM & PEGELSTÄNDE

Der Flussraum unterhalb des Reusswehrs wird nord- und südseitig durch erhöhte Uferpromenaden gefasst. Im Westen, auf der Höhe des mittelalterlichen Nölliturms, quert die Geissmattbrücke den Fluss. Reusswehr, Spreuerbrücke und Kraftwerk bilden die Begrenzung im Osten. Das Wasser unmittelbar unter halb des Wehrs fliesst unruhig. Wellen und Wirbel prägen das Bild. Etwa auf der Höhe der Spreuerbrücke beruhigen sich diese Umstände etwas - die Strömung bleibt jedoch stark. Baden im Fluss- an diesem Ort? Aktuell herrscht im Bereich des Wehrs bis zum Kasernenplatz ein absolutes Badeverbot. Eine nähere Betrachtung der Pegelstände der Reuss über die letzten zehn Jahre gibt weiteren Aufschluss (siehe Grafik). Währ end der Badesaison sind Schwankungen von drei Metern keine Seltenheit.

 

KONZEPT & NUTZUNG

Aus vorher gehender Analyse wird klar, dass im Hinblick auf die Realisierung und den Betrieb eines Flussbads an diesem Ort erhebliche Herausforderungen bestehen. Das Flussbad soll während der ganz en Badesaison, ohne Gefährdung für den Badegast, betrieben werden können. Ein Baden unmittelbar im Fluss kommt deshalb nicht in Frage. Trotzdem soll das Badeerlebnis dem Gast das Gefühl vermitteln im Fluss zu Baden. Die neue Reussbadi als langgestreckter Baukörper kommt in der Flussmitte zu liegen und schliesst an die bestehende Wehrinsel an, deren Ausmass in Breite und Höhe übernommen wird. Dadurch wird die Zweiseitigkeit des Flusslaufs, bestehend aus Stirn- und Längswehr auf der einen sowie Seitenwehr und Kraftwerk auf der anderen Seite, fortgeführt. Den Wirbeln, Wellen und starkschwankenden Pegelständen wird mittels eines geschützten Pools im Fluss entgegengewirkt. Der obere Beckenrand kommt auf der selben Höhe zu liegen wie die seitlichen Promenaden. Um einen gebührenden Abstand zu den historischen Bauten der Altstadt zu gewähren, werden erst auf der Höhe der südseitigen Ausbuchtung des Sentiwegs Gebäudenutzungen in einem Unter- und Erdgeschoss konzentriert angeordnet und bilden gleichzeitig den Abschluss der Anlage.

 

POOL

Der Pool wird mit frischem Wasser aus dem Vierwaldstättersee versorgt. Dabei macht sich das Projekt den höheren Pegelstand (+/- 433.50 Meter – leichte Schwankungen) des Vierwaldstädtersees gegenüber der Reuss (+/- 431.50 Meter – starke Schwankungen) zu Nutze. Mittels einer Druckleitung gelangt ständig frisches Seewasser in das Becken. Ein Überlauf am unteren Ende sorgt für eine anhaltende leichte Strömung. Eine technische Anlage erlaubt den Pegelstand konstant zu halten. Bei Bedarf, sprich bei zu niedrigem oder zu hohem Seepegel, wird gepumpt beziehungsweise gedrosselt.

 

SONNENDECK

Entlang des Pools kragt beidseitig das Sonnendeck aus. Durch diese Massnahme kann der Fussabdruck des Bauwerks im Fluss auf denjenigen des Beckens reduziert werden. Das Deck wird abgesehen von einem Sprungturm und ein paar Deckduschen von Infrastruktur freigehalten und bietet an heissen Sommertagen auch für eine grössere Anzahl Badegäste ausgiebig Platz.

 

Bachelorarbeit 2016 Vinzenz Germann